Kennst du das Gedicht „Was es ist“ von Erich Fried? Es gehört zu meinen absoluten Lieblingsgedichten. Und nach der Umgestaltung meines Arbeitszimmers wollte ich ein schönes Wandbild als Deko haben.
So entstand die Idee, beides miteinander zu verbinden und mein Lieblingsgedicht in ein modernes Bild einzubetten. Ich zeige dir die Techniken, die ich dafür angewendet habe …
Die Materialien für das Acrylbild
- Leinwand
- Acrylfarben
- Pinsel
- Rakel
- Bleistift
- Filzstift, so wie z. B. diese hier*
Meine Leinwand ist 50 × 70 cm groß und als Farben habe ich Weiß und drei Grüntöne verwendet. Gemalt habe ich mit zwei Borstenpinseln in den Stärken 10 und 18, als Rakel habe ich zwei kleine Stücke Karton genommen.
So entsteht das moderne Acrylbild
Mein Bild habe ich in zwei Etappen gestaltet: zuerst das abstrakte Motiv, danach das Gedicht. Wenn du nur ein abstraktes Bild ohne Schrift möchtest oder einen kurzen Schriftzug aus wenigen Buchstaben einfügst, kannst du deine Arbeitsschritte natürlich entsprechend anpassen.
Meine Vorbereitung
Da ich eine Leinwand von einem missglückten Bild recycelt habe, habe ich sie zunächst grob mit weißer Farbe übermalt. Dass die Farbe nicht ganz deckte und der Hintergrund noch durchschimmerte, war kein Problem. Denn ich wusste, dass ich sowieso die ganze Fläche bearbeiten werde.
Wenn du eine gebrauchsfertige Leinwand* nimmst, musst du hier nichts weiter vorbereiten.
Die Grüntöne habe ich zum Teil selbst gemischt. Für das hellste Grün habe ich etwas Gelb und ganz wenig Blau in Weiß gegeben. Der mittlere Grünton kam aus der Tube und für das dunkelste Grün habe ich den mittleren Ton mit wenig Schwarz abgedunkelt.
1. Schritt: das Herz des Motivs
Um das Hauptelement des abstrakten Motivs zu gestalten, bin ich so vorgegangen:
Erst habe ich die Grüntöne und dazwischen Weiß in kleinen Klecksen auf die Leinwand gesetzt. Dabei habe ich keine bestimmte Anordnung gewählt, sondern die Farben beliebig dort platziert, wo das Motiv ungefähr verlaufen sollte.

Dann habe ich die Farbkleckse mit meinem Kartonstück als Rakel in kurzen Bewegungen miteinander verbunden.
Damit das Motiv lebendig wirkt, habe ich immer wieder die Richtung gewechselt. Außerdem habe ich die Vorder- und die Rückseite des Rakels genutzt, um die anhaftenden Farben zu verteilen.

2. Schritt: die restliche Bildfläche
Nachdem das Kernelement fertig war, habe ich in einer Ecke reichlich weiße Farbe auf die Leinwand gegeben und zunächst flächig verteilt. Dabei habe ich nicht in das Motiv hineingemalt, sondern etwas Abstand gelassen.
Dann habe ich mit dem dickeren Pinsel behutsam wenig Farbe aus dem Randbereich des Motivs in das Weiß gezogen. Dafür habe ich immer die gleiche Bewegung gemacht: einen leichten Bogen vom Motiv zum Bildrand hin. Diese Richtung habe ich die ganze Zeit über beibehalten.
Über die ganze Fläche bin ich mehrfach gefahren. So scheint das Motiv zu den Rändern hin auszulaufen und die Farben selbst bilden sanfte Übergänge. Wenn der Randbereich zu wenig Farbe hatte, habe ich noch einmal kleine Farbkleckse hinzugefügt und direkt vermalt.
Auf diese Weise habe ich die ganze Bildfläche bearbeitet – immer mit dem gleichen Pinsel. Bevor ich mit Weiß weitermachte, habe ich die jeweilige Kante der Leinwand eingefärbt. So konnte ich überschüssige Farbe abstreifen, ohne den Pinsel auswaschen zu müssen.

3. Schritt: der Feinschliff für den Hintergrund
Zum Schluss habe ich mit dem dünneren Pinsel noch ein paar Akzente gesetzt. Dafür habe ich wenig Farbe auf den Pinsel genommen und an einigen Stellen Striche gezogen. Auch diese Linien folgten den schon vorhandenen Formen. Sie sollten sich harmonisch einfügen und sanft übergehen, die Farben aber stellenweise deutlicher hervorheben und dem ganzen Bild mehr Lebendigkeit verleihen.
Dann habe ich das Acrylbild vollständig trocknen lassen.

4. Schritt: das Gedicht übertragen
Bei der Länge des Gedichts wollte ich lieber eine Vorlage nutzen. Deshalb habe ich es auf ein Blatt Papier ausgedruckt, in einer schönen Schreibschrift und in einer passenden Größe mit stimmigen Abständen. Das Papier habe ich dann auf der Rückseite mit dem Bleistift schraffiert. Hier kommt es nicht auf Präzision an – entscheidend ist, dass die Fläche ganz eingefärbt ist.
Anschließend habe ich die Strophen auf der Leinwand angeordnet und die Schrift mit dem Bleistift nachgefahren. Durch die Schraffur auf der Rückseite überträgt sich die Schrift. Und weil es nur dünne Bleistiftlinien sind, kannst du Korrekturen vornehmen, falls du dich vertust.

5. Schritt: das Gedicht schreiben
Die vorgezeichnete Schrift habe ich mit einem mittelgrauen Filzstift nachgefahren. Zunächst einmal entlang der Bleistiftlinien und dann ein zweites Mal für eine kräftigere Farbe und leichte Verdickungen, die natürlicher wirken.

Damit war mein Acrylbild fertig – und macht das Arbeitszimmer gleich viel wohnlicher.
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