Bei vielen Strickarbeiten kommst du ums Nähen nicht ganz herum. Denn abgesehen vom Vernähen von Fadenenden gibt es oft Kanten, die geschlossen, oder Einzelteile, die miteinander verbunden werden wollen.
Für solche Nähte gibt es verschiedene Möglichkeiten. Du kannst zum Beispiel den Matratzenstich nutzen, eine einfache Steppnaht machen, durch die Glieder der Randmaschen nähen oder die Strickteile zusammenhäkeln. Vor allem bei glatt rechtem Gestrick ist aber auch der Maschenstich eine gute Wahl. Und wie er geht, zeige ich dir jetzt …
Wofür eignet sich der Maschenstich?
Der Maschenstich, auch bekannt als Kitchener Stitch, bildet im Prinzip Maschen nach. Der Faden, mit dem du nähst, verläuft wie eine rechts gestrickte Masche. Deshalb eignet sich der Maschenstich bestens, wenn deine Naht praktisch unsichtbar sein soll. Nutzt du den Maschenstich zum Beispiel bei einem Stirnband, einer Sockenspitze oder einer Schulternaht, fügen sich die Stiche wie eine weitere rechts gestrickte Reihe ein.
Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, wann du Strickteile mit dem Maschenstich verbindest:
- vor dem Abketten – hier arbeitest du die Naht und kettest die Maschen gleichzeitig ab. Dadurch ist die Naht auf der Rückseite ganz flach und genauso elastisch wie das ganze Strickstück.
- nach dem Abketten – hier fügst du die Kanten so aneinander, dass die beiden Reihen direkt aufeinander treffen und übereinander liegen. Auf der Rückseite bildet sich durch die Randmaschen eine kleine Wulst, die aber kaum stört.
Weitere Anwendungsmöglichkeiten
Neben dem Zusammennähen von Strickteilen kannst du den Maschenstich auch super verwenden, wenn eine Strickarbeit irgendwo ein kleines Loch hat, etwa, weil du mit deinem Lieblingspulli irgendwo hängengeblieben bist oder die Waschmaschine einen Riss verursacht hat. Nähst du die Maschen um das Loch herum mit dem gleichen Garn nach, ist später kaum zu sehen, dass das Strickteil geflickt ist.
Außerdem kannst du mit dem Maschenstich wunderbar Motive aufsticken. Mit dem Garn zeichnest du dann einzelne Maschen nach und das Ergebnis sieht aus, als wäre das Motiv von Anfang an eingestrickt gewesen.
Wie geht der Maschenstich?
Ich zeige dir den Maschenstich vor und nach dem Abketten. Du brauchst dafür neben deinem Strickstück eine Vernähnadel* und ein Stück Garn. In aller Regel wirst du das Garn nehmen, mit dem du auch gestrickt hast – die Naht soll ja meist nicht sichtbar sein. Ich habe auf den Fotos nur deshalb ein Kontrastgarn verwendet, damit die Stiche besser zu erkennen sind.
Vor dem Abketten
Wenn die Maschen noch auf den Nadeln liegen, wirkt der Maschenstich im ersten Moment ein bisschen tricky. Sobald du das Prinzip verinnerlicht hast, ist es aber halb so wild.
Die Grundidee ist, dass du die Maschen mit dem Garn nachahmst. Damit das klappt und du mit dem Garn das typische V einer rechten Masche erzeugst, stichst du in jede Masche zweimal ein. Beim ersten Einstechen baust du die Masche auf, beim zweiten Mal kettest du sie ab.
Bevor wir gleich ins Nähen einsteigen, sage ich dir einen Merksatz, der für mich gut funktioniert:
Dabei ist mit rechts und links gemeint, dass du so in die Masche einstichst, wie wenn du eine rechte bzw. linke Masche strickst.
Die Vorbereitung
Lege deine beiden Strickstücke aneinander, beide Nadelspitzen zeigen nach rechts. Ob du besser nähen kannst, wenn die Stricknadeln flach vor dir liegen oder du sie in der Hand hältst, musst du ausprobieren.
Du kannst direkt mit dem Faden nähen, der an deiner Strickarbeit hängt. Nimmst du einen neuen Faden, solltest du ein 10 bis 15 cm langes Stück zum Vernähen hängen lassen. Dann geht es los:
- Steche mit der Nadel von rechts nach links in die erste Masche der vorderen (unteren) Stricknadel ein. Lass diese Masche noch auf der Stricknadel.
- Steche von links nach rechts in die erste Masche auf der hinteren (oberen) Stricknadel ein. Auch diese Masche bleibt noch auf der Stricknadel.

Das Nähen
Wenn die Vorbereitung gemacht ist, beginnt das eigentliche Verbinden und Abketten der Strickstücke:
- Vordere Nadel:
- Steche wie zum Rechtsstricken von links nach rechts in die erste Masche ein und lass diese Masche von der Nadel gleiten.
- Steche wie zum Linksstricken von rechts nach links in die nächste Masche ein. Diese Masche bleibt auf der Nadel.
- Hintere Nadel:
- Steche wie zum Linksstricken von rechts nach links in die erste Masche ein und lass die Masche danach von der Nadel fallen.
- Steche wie zum Rechtsstricken von links nach rechts in die nächste Masche ein. Behalte diese Masche auf der Nadel.
Diese Stiche wiederholst du, bis die Kante geschlossen ist und du alle Maschen abgekettet hast. Achte darauf, dass dein Faden in der Mitte bleibt – und sich nicht als Schlaufe um eine der Stricknadeln legt. Zum Schluss vernähst du noch die Endfäden sorgfältig – und hast eine Naht, die genauso aussieht wie dein glatt rechtes Gestrick.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man gerne mal durcheinanderkommt oder nicht mehr weiß, was als Nächstes dran ist. Deshalb habe ich einen kleinen Spickzettel:

Wenn du magst, kannst du dir den Spickzettel als Bild herunterladen und/oder ausdrucken.
Nach dem Abketten
Hast du die Maschen schon abgekettet, geht der Maschenstich ganz einfach. Auch jetzt legst du die beiden Kanten, die du verbinden willst, aneinander. Dann nähst du so:
- Steche von rechts nach links direkt unter der Kante in die erste Masche des unteren Strickstücks ein und zieh den Faden durch.
- Steche von rechts nach links direkt über der Kante in die erste Masche des oberen Strickstücks ein und ziehe den Faden durch.
- Danach stichst du wieder von rechts nach links in die nächste Masche unten und die gegenüberliegende Masche oben.

Das wiederholst du die ganze Kante entlang. Du nähst also von rechts nach links durch jedes V und verbindest so die untere Masche mit der oberen. Achte darauf, den Faden nicht zu fest anzuziehen – sonst zieht sich die Kante zusammen. Auf der Vorderseite ist die Naht selbst kaum zu sehen, nur auf der Rückseite entsteht eine kleine Wulst.

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