
Geburtstage, Weihnachten, Ostern, besondere Ereignisse oder einfach so, zwischendurch: Geschenke bekommen und übergeben wir regelmäßig.
Ich persönlich gehöre zu den Leuten, die lieber schenken als beschenkt zu werden. Nicht, weil ich keine Geschenke mag – ich finde Geschenke super –, sondern weil ich anderen einfach gerne eine Freude mache. Und natürlich freue ich mich sehr, wenn mein Geschenk gut ankommt.
Tatsächlich reagieren die meisten Menschen ganz ähnlich auf Geschenke. Typisch sind Sätze wie „Oh wie schön, danke!“ oder „So viel – das wäre doch nicht nötig gewesen!“ Aber weißt du, dass Reaktionen auf Geschenke oft viel mehr über eine Person aussagen, als es auf den ersten Blick scheint?
Nähe durch Geschenke
Schenken ist keine neutrale Handlung. Allein schon dadurch, dass man jemandem etwas schenkt, signalisiert man: „Du gehörst zu meinem Kreis. Ich sehe dich, ich kenne dich – und ich will dir etwas Gutes tun.“
Ein Geschenk markiert eine Beziehung und schafft Nähe, noch bevor der Inhalt überhaupt zum Thema wird. Genau dadurch bekommen Geschenke eine Bedeutung, können gleichzeitig aber auch heikel werden. Denn wenn ein Geschenk nicht die erwartete Freude auslöst, sind beide enttäuscht – der Schenkende und der Beschenkte.
Spannend finde ich, dass die eigenen Beziehungsmuster großen Einfluss darauf haben, wie die Reaktion auf ein Geschenk ist. Laut Entwicklungspsychologie prägt die Kindheit die spätere Art, Beziehungen zu führen. Vor allem der Umgang unserer Bezugspersonen mit unseren Bedürfnissen hinterlässt Spuren.
Die kindlichen Muster auf Beziehungsebene bleiben im Erwachsenenleben erhalten. Sie beeinflussen mit, wie viel Nähe und Zuneigung wir zulassen – und damit auch, wie gut wir Geschenke annehmen können.
Echter Dank bis kontrollierte Gefühle
Reaktionen auf Geschenke und der Dank dafür können ganz unterschiedlich ausfallen. Echte Reaktionen statt leerer Floskeln vorausgesetzt, kann die Bandbreite reichen von einem aufrichtigen „Danke!“ bis zu einem fast abwehrenden „Ich brauche doch nichts!“. Gleichzeitig können die Reaktionen alles von Selbstbewusstsein bis hin zu Verlustängsten ausdrücken.
In der Psychologie gibt es keine festen Formen, keine starren Schubladen. Aber sie kennt vor allem vier typische Muster:
Ehrlicher Dank – „Danke, das ist so lieb von dir!“
Am einfachsten sind Geschenke an jemanden, der sich sicher fühlt und echte Verbindungen eingeht. Mit einer schönen Kindheit und verlässlichen Bezugspersonen im Rücken hat so eine Person Selbstvertrauen, lässt sich auf Beziehungen ein und scheut keine Nähe.
Die Reaktion zeugt von echtem Dank. Der Beschenkte freut sich wirklich und nimmt das Geschenk gerne an.
Selbstschutz – „Wie schön, danke! Aber …“
So reagiert oft jemand, der sich als Kind ängstlich oder manchmal auch vernachlässigt fühlte. Die Folge ist, dass sich so eine Person einerseits Nähe wünscht, andererseits aber Angst hat, jemanden zu nah an sich heranzulassen.
Dieser Zwiespalt äußert sich auch in der Reaktion auf ein Geschenk: Die Freude und Dankbarkeit sind ehrlich. Doch direkt danach hält das einschränkende „Aber“ eine gewisse Distanz.
Unsicherheit – „Warum so ein großes Geschenk?!“
So eine Reaktion zeigt Verunsicherung. Sie ist typisch für jemanden, der als Kind keine verlässlichen Bezugspersonen hatte und daraus eine Angst vor Zurückweisung entwickelte. Dazu mischt sich die Sorge, selbst nicht genug zurückzugeben.
So einer Person fällt es schwer, die Geste hinter dem Geschenk zu sehen. Es kommen eher Fragen auf wie: „Dieses Geschenk ist größer, aufwändiger oder teurer als mein letztes Geschenk. War meines vielleicht zu wenig?“
Selbstkontrolle – „Das hätte es doch nicht gebraucht!“
Hinter so einer Reaktion vermutet die Entwicklungspsychologie emotionale Zurückweisungen in der Kindheit. In der Folge kontrolliert die Person ihre Gefühle und stellt ihre Bedürfnisse zurück. Aus Selbstschutz möchte sie keine Abhängigkeit und nimmt dafür sogar in Kauf, auf echte Verbindungen zu verzichten.
Vor diesem Hintergrund ist ein Geschenk fast schon unangenehm. Obwohl sich der Beschenkte über die Aufmerksamkeit freut, möchte er niemandem etwas schuldig sein.
Neue Muster
Beziehungs- und Verhaltensmuster sind nicht für alle Zeit festgeschrieben. Tatsächlich eignen sich gerade Geschenke hervorragend, um Prägungen zu hinterfragen und es bewusst anders zu machen.
Wenn du ein Geschenk bekommst, könntest du überlegen, wie du instinktiv reagieren würdest – und dann einmal gezielt anders reagieren. Wie fühlt es sich an, wenn du nicht „aber“ sagst? Oder wenn du nicht erklärst, dass das Geschenk doch gar nicht nötig war, sondern dich einfach nur darüber freust?
Was ein gutes Geschenk ausmacht
Natürlich gibt es Geschenke, die nicht gefallen. Vermutlich hat jeder schon mal etwas bekommen, mit dem er nichts anfangen konnte oder über das er sich wirklich nicht gefreut hat. Das ist völlig legitim.
Etliche Studien belegen, dass der materielle Wert nicht die Hauptrolle spielt. Wichtiger ist der symbolische Wert, die Geste. Ein gelungenes Geschenk zeigt, dass du dir wirklich überlegt hast, womit du den Beschenkten überraschen, erfreuen und ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern kannst.
Es sagt nicht: „Ich habe dir auf die Schnelle irgendwas gekauft.“, sondern: „Ich habe dich gesehen und nur für dich etwas ausgesucht.“ Oder anders ausgedrückt: Ein gutes Geschenk hat eine persönliche Note. Es passt zum Beschenkten.
Genau das macht DIY-Geschenke so stark. Ob ein selbstgebastelter Gutschein für ein gemeinsames Erlebnis, ein handgestrickter Schal, ein selbstgemaltes Bild oder ein selbstgebackener Kuchen: Solche Geschenke sind einzigartig und kommen von Herzen. Dadurch schaffen sie echte Nähe und verbinden Beziehung mit Emotion.
Trotzdem ist es wichtig, nicht die eigenen Bedürfnisse zu sehen, sondern die des Beschenkten. Wenn er sich einen praktischen Werkzeugkoffer wünscht oder von bestimmten Schuhen träumt, ist eine selbst getöpferte Tasse – so liebevoll sie auch sein mag – einfach nicht das Richtige.
Wie siehst du das?
Wie gehst du mit Geschenken um? Nach welchen Kriterien wählst du aus? Verschenkst du lieber Gekauftes, Selbstgemachtes oder eine Mischung aus beidem?
