Strick- und Häkelgarne gibt es in verschiedenen Wickelarten, zum Beispiel als klassisches Knäuel, Donut-Knäuel oder Strang. Aber eines haben sie alle gemeinsam: die Banderole.
Die Banderole ist das Etikett aus Papier, das um das Knäuel gewickelt oder an dem Strang befestigt ist. Und auf diesem Etikett stehen jede Menge hilfreiche Informationen über das Garn. So kannst du entscheiden, ob das Garn zu deinem Projekt passt und was du brauchst, um es damit umzusetzen.
Allerdings können die vielen Symbole und Zahlen anfangs ganz schön verwirrend sein. Ich zeige dir deshalb in diesem Beitrag, welche Angaben du auf einer Garnbanderole findest – und was sie bedeuten …
Die Angaben auf der Garnbanderole
Auf dem Bild siehst du eine Garnbanderole als Beispiel. Ich habe die verschiedenen Informationen nummeriert. Lass uns diese Nummern jetzt gemeinsam durchgehen.

1. Gewicht und Lauflänge
Hier siehst du das Verhältnis zwischen dem Gewicht und der Lauflänge deines Garns. In meinem Beispiel besteht das 50-Gramm-Knäuel aus einem 108 Meter langen Faden.
Diese Angabe ist aus zwei Gründen nützlich. Zum einen kannst du damit grob einschätzen, wie dick das Garn ist. Dabei gilt prinzipiell: Je höher die Lauflänge, desto dünner das Garn. Hat dein Garn bei einem Gewicht von 50 Gramm zum Beispiel eine Lauflänge von 150 Metern, ist es deutlich dünner als ein Garn mit einer Lauflänge von 70 Metern.
Zum anderen hilft die Lauflänge dabei, die benötigte Menge zu kalkulieren. Wichtig ist das vor allem dann, wenn du ein anderes Garn verwendest als in einer Anleitung angegeben. Anhand der Lauflänge kannst du nämlich ausrechnen, wie viel Garn du brauchen wirst.
2. Materialzusammensetzung
Diese Angabe zeigt, woraus das Garn besteht. Meistens sind die Anteile der Fasern als Prozentwerte angegeben, etwa „100 % Acryl“ oder „60 % Acryl, 40 % Schurwolle“.
Anhand der Materialzusammensetzung kannst du abschätzen, wofür sich das Garn eignet, also etwa für einen dicken, warmen Winterpullover oder ein luftiges Sommertop. Außerdem beeinflusst die Zusammensetzung, wie das Maschenbild aussieht, wie sich das Garn anfühlt und wie das fertige Stück gepflegt werden muss.
3. Pflegehinweise
Die Pflegesymbole kennst du sicher von den Waschetiketten in Kleidungsstücken. Sie informieren darüber, welche Pflege das Garn verträgt.
Angegeben ist zum Beispiel, ob das Garn von Hand gewaschen werden muss oder bei welcher Temperatur und mit welchem Programm es in die Waschmaschine kann. Außerdem findest du Hinweise zum Trocknen, Bügeln, Bleichen und einer chemischen Reinigung.
4. Materialverbrauch
Auf manchen Banderolen findest du eine Empfehlung zum Verbrauch bei bestimmten Projekten. Bei meiner Beispielbanderole geht der Hersteller davon aus, dass du für ein kurzärmeliges Oberteil in Damengröße 38/40 ungefähr 450 Gramm (9 Knäuel) und für eine langärmelige Strickjacke in derselben Größe 650 Gramm (13 Knäuel) des Garns brauchst.
Solche Mengenangaben sind eine gute Orientierungshilfe. Trotzdem sind sie immer nur ungefähre Richtwerte. Denn wie viel Garn du tatsächlich verarbeiten wirst, hängt unter anderem von deiner Fadenspannung und deinem Strick- oder Häkelmuster ab.
Strickst du zum Beispiel eher locker oder arbeitest dein Projekt in glatt rechts, wird dein Verbrauch geringer sein als bei einem aufwändigen Zopfmuster. Nutzt du eine Anleitung, ist deshalb oft besser, wenn du dich an der Menge orientierst, die dort angegeben ist.
5. Empfohlene Nadelstärke
Auf der Garnbanderole wird eine Nadelgröße empfohlen – in meinem Beispiel eine 3,5 oder 4 bei Stricknadeln und eine 4 für die Häkelnadel.
Auch wenn diese Größenangaben oft passen, sind sie letztlich nur Empfehlungen. Je nachdem, ob du eher locker oder eher fest arbeitest, wirst du vielleicht zu einer anderen Nadelstärke greifen, um ein gleichmäßiges Maschenbild zu bekommen. Manchmal sieht auch eine Anleitung eine andere Nadelstärke vor, wenn ein besonders kompaktes oder sehr luftiges Gewebe entstehen soll.
Prinzipiell gilt: Nimmst du eine kleinere Nadelstärke, werden die Maschen kleiner und fester, bei einer größeren Nadelstärke hingegen größer und lockerer.
6. Maschenprobe
Das kleine Quadrat auf der Garnbanderole mit zwei Zahlen verrät, wie viele Maschen und Reihen 10 Zentimeter ergeben – in meinem Beispiel wären es 18 Maschen und 25 Reihen. Dabei beziehen sich die Werte immer auf ein glatt rechtes Gestrick mit der empfohlenen Nadelstärke. Deshalb ist diese Angabe nur eine Orientierungshilfe.
Strickst du ein anderes Muster oder häkelst du mit dem Garn, kannst du schnell auf ganz andere Werte kommen. Damit dein Projekt am Ende die gewünschte Größe hat und passt, solltest du deshalb immer deine eigene Maschenprobe anfertigen.
7. Farb- und Partienummer
Die Farbnummer und die Nummer der Färbepartie sind zwei sehr wichtige Informationen. Und du brauchst beide:
- Die Farbnummer bezeichnet die Farbe, die der Hersteller für das Garn festgelegt hat. Dabei kann es sich zum Beispiel um einen Gelb-, Blau- oder Rotton handeln. Manchmal stehen sowohl die Farbnummer als auch der Name des Farbtons auf der Banderole.
- Die Partienummer, auch Lot oder Charge genannt, bezeichnet das Farbbad, in dem das Garn gefärbt wurde.
Und warum spielt das eine Rolle? Nicht nur die Beschaffenheit und Qualität der Fasern, sondern auch die Zusammensetzung des Färbebades können variieren. Einen wirklich identischen Farbton hat deshalb immer nur das Garn einer Partie.
Auf den ersten Blick sehen die Garne oft gleich aus. Aber wenn du zwei Knäuel aus verschiedenen Partien verarbeitet hast, kann gut sein, dass ein Farbunterschied erkennbar ist. Vor allem bei einfarbigen Garnen ist das häufig so.
Achte deshalb beim Kauf darauf, dass die Partienummer bei allen deinen Knäueln gleich ist. Und: Wenn du mit der Menge unsicher bist, nimm lieber ein oder zwei Knäuel mehr. Denn später Garn aus der gleichen Partie nachzukaufen, klappt nur selten.
Weitere Angaben
Auf der Garnbanderole steht natürlich auch der Name. Das ist meist der Name des Herstellers oder eine Markenbezeichnung und zusätzlich dazu der spezifische Produktname des Garns. Oft ist auch angegeben, aus welchem Land das Garn kommt oder wer es importiert hat.
Wurde das Garn bestimmten Prüfungen unterzogen, zum Beispiel auf Schadstoffe, steht das ebenfalls auf der Banderole – als Wort oder mit dem Logo des jeweiligen Zertifikats. Gleiches gilt für besondere Eigenschaften des Garns, also zum Beispiel Hinweise wie „speichelecht“ oder „filzfrei“.
Yarn Weight nach dem CYC-Standard
Bei Garnen, die für den internationalen Markt gemacht sind, findest du auf der Garnbanderole manchmal ein Symbol, das ein Wollknäuel mit einer Zahl zwischen 0 und 7 zeigt.
Dieses Symbol beschreibt die Garnstärke nach einem Standard, auf den sich amerikanische Garnhersteller im Industrieverband Craft Yarn Council geeinigt haben. Der Standard verbindet die Garnstärke, die Maschenprobe und die Nadelgröße zu einem Wert. Die Palette reicht dabei von 0 (lace) für sehr feines bis zu 7 (jumbo) für sehr dickes Garn.
Praktisch ist das deshalb, weil du für dein Projekt ein Garn ganz einfach durch ein Garn in der gleichen Stärke ersetzen kannst. Schlägt eine Anleitung zum Beispiel ein Garn der Stärke 4 (medium) vor, kannst du problemlos jedes andere 4er-Garn nehmen.
Die Garnbanderole aufheben oder wegschmeißen?
Ich hebe bei jedem Projekt mindestens eine Banderole auf. Und mit der Zeit habe ich mir ein Journal angelegt. Darin klebt auf einer Seite die Banderole und daneben schreibe ich auf, was ich aus dem Garn gemacht habe und wie die Maschenprobe im jeweiligen Strickmuster ausfiel. So kann ich jederzeit nachschauen, wenn ich ein Garn noch einmal kaufen oder mir die Maschenprobe sparen will.
Auch wenn es ums Waschen geht, ist es praktisch, wenn du später einen Blick aufs Etikett werfen kannst.
Fazit
Die Garnbanderole ist im Prinzip eine kompakte Gebrauchsanweisung für ein Garn. Sie hilft dir dabei, das richtige Garn auszusuchen und gleichzeitig klassische Fehler zu vermeiden: ungeeignet für das geplante Strick- oder Häkelprojekt, keine passenden Nadeln zum Verarbeiten, zu wenig Garn gekauft, verschiedene Farbpartien, zu anspruchsvoll in der Pflege …
Es lohnt sich also, dir die Garnbanderole anzuschauen, bevor du zugreifst – damit du dein Projekt wie gedacht umsetzen kannst und lange Freude daran hast.




