Beim Stricken und Häkeln bleiben fast immer Garnreste übrig. Je nach Menge kannst du sie unterschiedlich weiterverwenden. Granny Squares, Mützen oder Haarbänder zum Beispiel brauchen nicht viel Garn.
Auch für kleine Applikationen, Pompoms und Quasten genügen Reste. Oder du nutzt die Fäden für Bänder, Schleifen und Verzierungen bei Bastelarbeiten.
In diesem Beitrag zeige ich dir eine Idee für ein weiteres DIY: eine Handytasche komplett aus Garnresten. Und dank der besonderen Stricktechnik mit Spiralrunden kannst du selbst kleinste Mini-Reste noch verwerten …
Die Materialien für die Handytasche
- Garnreste
- Nadelspiel – ich habe kurze Bambusnadeln* in Größe 4 verwendet
- Vernähnadel
- Maßband und Schere
Für die Handytasche kannst du wirklich alles an Resten nehmen, was du da hast. Gut wäre nur, wenn die Garne* ungefähr die gleiche Dicke haben, damit die Maschen nicht zu unterschiedlich ausfallen. Ansonsten gilt: Je bunter, desto besser. So entstehen beim Stricken tolle Farbkombinationen, auf die du sonst vielleicht nie gekommen wärst.

Ich habe für meine Handytasche nur einen kleinen Teil der Reste gebraucht – sie wiegt rund 25 g.
Für die Stricktechnik funktioniert ein Nadelspiel am besten. Mit einer Rundstricknadel geht es zwar auch, ist aber weniger übersichtlich.
Die Stricktechnik
Vor dem Stricken erkläre ich dir kurz das Prinzip der Stricktechnik. Wenn du das Prinzip einmal verstanden hast, ist es nämlich kinderleicht. Die Stricktechnik heißt Gum-Gum, manchmal wird sie auch Helix genannt. Dahinter steckt nichts anderes als Spiralrunden.
Stell dir das Ganze so vor: Zwei Personen laufen durch ein Treppenhaus. Person A geht vor und Person B folgt ihr. Während Person A schon ein Stockwerk höher ist, erreicht Person B die Etage, in der Person A gerade war. Und weil beide gleich schnell sind, bleibt der Abstand zwischen ihnen immer gleich.
Das Stricken funktioniert genauso: Du arbeitest mit 2 Fäden in verschiedenen Farben. Farbe 1 beginnt und Farbe 2 folgt ihr in immer gleichem Abstand. Auf diese Weise schlängeln sich die Farben spiralförmig nach oben.
Die Strickanleitung für die Handytasche
Zunächst musst du festlegen, wie groß du deine Tasche haben willst. Bei mir ergaben 22 Maschen eine Breite von ungefähr 10 cm und mein Smartphone hat einen Umfang von 18 cm. Deshalb habe ich 40 Maschen angeschlagen (je 20 Maschen für die Vorder- und die Rückseite). Die Höhe habe ich erst beim Stricken bestimmt, am Ende wurden es knapp 20 cm.
Der Anfang
- Schlage mit Farbe 1 deine gewünschte Maschenzahl an und stricke eine Runde rechts über alle Maschen.
- In der zweiten Runde strickst du nur die ersten 3 Nadeln. Nadel 4 strickst du nicht, sondern lässt den Faden einfach hängen.
- Nimm nun Farbe 2, setze den Faden am Rundenanfang (also Nadel 1) an und stricke Nadel 1 und 2. Dann lässt du diesen Faden ebenfalls hängen.

Damit ist die Vorbereitung gemacht.
Der Hauptteil
Ab jetzt strickst du die ganze Zeit über nach dem gleichen Prinzip:
- Stricke 2 Nadeln mit Farbe 1. Beginne dabei dort, wo du den Faden zuvor hast liegen lassen, und lass den Faden nach den 2 Nadeln wieder einfach hängen.
- Stricke 2 Nadeln mit Farbe 2. Auch hier startest du an der Stelle, wo du davor mit diesem Faden aufgehört hast.
Du strickst also mit Farbe 1 immer nur 2 Nadeln rechts ab, wechselst dann zu Farbe 2 und strickst auch damit 2 Nadeln rechts ab. Danach strickst du wieder 2 Nadeln mit Farbe 1 und anschließend 2 Nadeln mit Farbe 2. Auf diese Weise bleibt immer eine Nadel Abstand zwischen den beiden Farben.
Du kannst statt glatt rechts natürlich auch ein anderes Muster stricken. Ich würde aber von einem aufwändigen Strickmuster abraten. Denn durch die verschiedenen Farben in den Spiralrunden bekommt das Strickstück schon ein Muster. Ein Strickmuster zusätzlich könnte zu viel des Guten werden.
Ein Tipp
Wenn du mal nicht mehr weißt, ob du schon eine oder beide Nadeln gestrickt hast, hilft es, wenn du von oben auf deine Stricknadeln schaust:
- Die Farbe, mit der du aktuell strickst, füllt die Maschen von 3 Nadeln – die erste Nadel aus der Vorrunde und die 2 Nadeln dieser Runde.
- Wenn du 2 Nadeln gestrickt hast, hängt der Faden der anderen Farbe am Ende der nächsten Nadel.

Es macht aber nichts, wenn du aus Versehen mal eine Nadel zu viel oder zu wenig strickst. Optisch macht das keinen großen Unterschied und du kannst den richtigen Abstand wiederherstellen, sobald es dir auffällt.
Neuen Faden ansetzen
Wenn du mit Resten arbeitest, wird dein Faden früher oder später enden. Dann setzt du einen neuen Faden an, der damit zu deiner Farbe 1 oder 2 wird. Diesen Faden kannst du überall einfügen, auch mitten auf einer Nadel oder nach der ersten gestrickten Nadel. Ich arbeite meistens nach beiden gestrickten Nadeln einer Farbe mit einem neuen Faden weiter – weil es für mich so einfach übersichtlicher ist.
Damit du später nicht unzählige Fäden vernähen musst, kannst du zwei Enden mit einem flachen Knoten verbinden. Das geht schnell, ist kaum sichtbar und du kannst mit einem Faden einfach weiterstricken.
Eine Alternative ist, die Enden beim Stricken gleich einzuweben. Das geht so:
- Hole das Ende des alten Fadens nach vorne und lege es neben die Masche. Stricke die Masche rechts.
- Lass das Fadenende hinten und stricke die nächste Masche rechts ab.
- Lege das Fadenende wieder vorne neben die nächste Masche und stricke sie rechts.
- Die nächste Masche strickst du ganz normal.
- Wiederhole das über einige Maschen, 8 bis 10 Maschen genügen.
- In der nächsten Runde webst du das Ende des neuen Fadens auf die gleiche Weise ein.

Beim Einweben legt sich der Endfaden um den neuen Arbeitsfaden herum. Auf der Vorderseite ist nichts zu sehen und auch auf der Rückseite fällt der eingewebte Faden kaum auf. Ziehst du leicht am überstehenden Ende, zieht sich der eingewebte Faden gerade. Danach kannst du das Ende einfach abschneiden.
Der Verschluss
Nachdem mein Täschchen ca. 19 cm lang war, habe ich nur noch mit dem Faden gestrickt, der gerade dran war. Den anderen Faden habe ich hängen lassen.
Dabei habe ich eine Runde links gestrickt, damit sich der Rand später nicht so sehr einrollt. Dann habe ich die Maschen der Vorderseite abgekettet und mit den Maschen der Rückseite in Reihen eine Klappe gestrickt:
- In der nächsten Runde die Hälfte der Maschen abketten – in meinem Fall waren das 20 Maschen.
- Über die andere Hälfte der Maschen glatt rechts mit doppelter Randmasche weiterstricken:
- Die doppelte Randmasche wird über die beiden ersten und die beiden letzten Maschen jeder Reihe gleich gearbeitet: 1. Masche wie zum Linksstricken abheben (mit dem Faden vor der Arbeit), 2. Masche rechts
- Hinreihen: doppelte Randmasche, alle Maschen bis zur vorletzten Masche rechts, doppelte Randmasche
- Rückreihen: doppelte Randmasche, alle Maschen bis zur vorletzten Masche links, doppelte Randmasche
- Nach 5 cm habe ich alle Maschen abgekettet.

Die Fertigstellung
Hast du die Handytasche zu Ende gestrickt und den Endfaden vernäht, muss der Boden geschlossen werden. Ich habe dafür den Maschenstich verwendet. Du kannst aber natürlich deine bevorzugte Naht arbeiten.
Für den Henkel habe ich 12 Fäden 120 cm lang abgeschnitten, in 3 Gruppen aufgeteilt und zu einem Zopf geflochten. Die Enden habe ich mit einem kurzen Garnstück zusammengebunden, damit keine dicken Knoten entstehen. Der Zopf ist gut 80 cm lang und ich habe ihn auf der Innenseite angenäht.

Zum Schluss habe ich noch eine Quaste mittig an der Verschlussklappe befestigt. Sie sorgt dafür, dass die Tasche geschlossen bleibt. Ein Druckknopf oder ein Stück Klettband würde genauso funktionieren.

Ich finde, die kunterbunte Handytasche ist wirklich schön geworden. Du kannst die Technik aber auch für eine weniger bunte Tasche nutzen – indem du Garnreste einer Farbe verarbeitest, eine Grundfarbe nimmst und nur bei der zweiten Farbe variierst oder Garne aus der gleichen Farbfamilie kombinierst.
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